Die Geschichte von Lamborghini: 1994-1998

1994-1998

Chryslers hastig getroffene Entscheidung, die berühmte Autoschmiede aus Bologna an eine Gruppe unbekannter indonesischer Investoren zu verkaufen, ist auch heute noch nur schwer zu erklären. Der Eigentümerwechsel wurde jedenfalls am 21. Janaur 1994 offiziell und destabilisierte das Management des Unternehmens. Trotz dieser Probleme wurde der Diablo weiterentwickelt. Auf seiner Basis entstanden viele weitere Modelle, von denen sich einige als besonders beliebt in gewissen Kundenkreisen erweisen sollten. Zu den interessantesten Varianten zählten der SV von 1995, welcher leichter und stärker als der Diablo war und den Fahrspaß über den Komfort stellte, sowie der VT Roadster mit dem abnehmbaren Targadach, der von Beginn an ein Hit war – speziell in den USA. Von diesen Modellen wurden weitere Special Editions abgeleitet, zum Beispiel der SE, der Jota, der Monterey oder der Alpine. Ebenfalls 1995 stellte Giorgetto Giugiaro den Calà der Fachpresse vor, welcher mit seinem V10-Motor eigentlich den Jalpa ablösen sollte. So interessant das Konzept auch gewesen sein mag, es kam nie über den Prototypen-Status hinaus.

1996 wurde ein Markenpokal mit Rennen in ganz Europa ins Leben gerufen, bei dem das Regelwerk etablierter internationaler Meisterschaften zum Einsatz kam. Für diesen Markenpokal entwickelte Lamborghini eine Rennversion des Diablo SV namens "SVR". 1999 wurde die Evolution des SV eingeführt: Der GT war eine ultrasportliche Straßenversion, die in einer limitierten Auflage von nur 83 Exemplaren gebaut wurde. Auch von dieser Variante entstand eine Rennsportversion für den Markenpokal: Der GTR besaß einen 6-Liter-Motor mit 590 PS und wurde in einer limitierten Auflage von 32 Einheiten hergestellt.

In der Zwischenzeit hatte Luigi Marmiroli Lamborghini aus persönlichen Gründen verlassen und war durch Massimo Ceccarani ersetzt worden. Es galt, neue Modelle zu entwickeln, so dass eine große Investition nötig war. Zu jener Zeit war der Diablo bereits mehr als sieben Jahre alt – in diesem so schwierigen Markt eine lange Zeit. Lamborghini wandte sich auf der Suche nach einer technischen Partnerschaft an verschiedene große Automobilhersteller, darunter Audi. Die ursprüngliche Idee sah vor, den Achtzylinder aus dem Flaggschiff Audi A8 zu übernehmen und ihn in den geplanten "Baby-Lamborghini" zu verpflanzen. Doch aus der kleinen Partnerschaft wurde schnell mehr: Audis technischer Stab fuhr mit äußerst positiven Berichten über den Status des Unternehmens, sein neues, kompetentes Management und die Professionalität bei der Weiterentwicklung der Autos ins deutsche Hauptquartier zurück. Die erste Absichtserklärung zwischen Audi und Lamborghini unterzeichnete man am 12. Juni 1998, der Vertrag für den kompletten und endgültigen Transfer aller Anteile von den indonesischen Besitzern an die deutsche Firma wurde nur 50 Tage später, am 27. Juli desselben Jahres, signiert.