Geschichte von Lamborghini: 1987-1994

1987-1994

Am 23. April 1987 wurde die Firma "Nuova Automobili Lamborghini SpA" vom US-Konzern Chrysler übernommen. Die amerikanischen Inhaber lebten sich schnell in Sant'Agata ein und läuteten bei Lamborghini eine Phase intensiver Aktivität ein, diesmal in enger Zusammenarbeit mit einem großen Automobilhersteller. Die Voraussetzungen waren vielversprechend, auch wenn zu Beginn einige Fehltritte lauerten, zu denen etwa der Prototyp des Portofino gehörte. Die Fertigung des Quattrovalvole endete 1988 mit einer Gesamtstückzahl von 631 Einheiten. In der Zwischenzeit hatte das Unternehmen Erfahrung mit Verbundwerkstoffen gesammelt und ein spezieller Countach, der Evoluzione, zeigte das volle Potential dieses Projekts auf. Die durch die neuen Materialien möglich gewordene Gewichtsreduzierung bot zusammen mit einem kräftigeren Triebwerk, dessen Leistungssteigerung vor allem auf einem neuen Motormanagement beruhte, außergewöhnliche Fahrleistungen. Leider ging der Evoluzione nie in die Serienfertigung.

Gegen Ende des Jahres 1987 fragte das französische Formel-1-Team Larrousse Mauro Forghieri, seines Zeichens gefeierter Ferrari-Designer der 60er- und 70er-Jahre, ob er nicht einen neuen Motor für die F1 konstruieren könnte. Forghieri wandte sich an seine guten Freunde bei Lamborghini und schlug vor, das Projekt gemeinsam anzugehen. Nachdem Chrysler grünes Licht gegeben hatte, entwarf Forghieri seinen Motor: einen V12 mit 3,5 Litern Hubraum – das Maximum dessen, was die Formel-1-Regeln erlaubten. Das Aggregat war innerhalb weniger Monate fertig und wurde der Öffentlichkeit offiziell im April 1988 präsentiert.

Die Saison 1989 verlief enttäuschend, was aber vor allem am französischen Team lag, das nicht die nötigen Finanzen und Ressourcen besaß, um an der Spitze mitzufahren. Der Motor jedoch hatte enormes Potential. Das berühmte Lotus-Team erkannte dieses und beantragte daher bei Lamborghini die Ausrüstung mit Triebwerken für die Folgesaison. Nicht zuletzt durch diese Belieferung zweier Teams waren die Ergebnisse des F1-Jahrs 1990 brillant: Den Großen Preis von Großbritannien beendete der Larrousse-Fahrer Èric Bernard auf einem hervorragenden vierten Platz, sein Teamkollege Aguri Suzuki kam als Sechster ins Ziel. Beim Ungarn-Grand-Prix konnten die Lamborghini-Motoren noch mehr glänzen – sie ermöglichten ihren Fahrern die Plätze fünf, sechs und sieben. Dabei führte Lotus-Pilot Derek Warwick dieses Trio vor Bernard (Larrousse) und Martin Donnelly (Lotus) an. Für die beste Platzierung der gesamten Saison sorgte allerdings der Japaner Suzuki bei seinem Heimrennen: Er wurde in Suzuka Dritter und bescherte Lamborghini damit den ersten Podiumsplatz. Es sollte die beste Platzierung eines Lamborghini-Motors in der Formel 1 bleiben. Denn auch die Verpflichtung Forghieris konnte nicht darüber hinwegtäuschen, dass die finanziellen Probleme des F1-Projekts den amerikanischen Besitzern nicht genügend bewusst waren, was letztlich zum sportlichen Abstieg führte. Die Saison 1991 endete mit dem endgültigen F1-Ausstieg des Modena-F1-Teams, das Lamborghini in jener Saison beliefert hatte. Der aus dieser Kooperation hervorgegangene wunderschöne Rennwagen kann heute im Museum in Sant'Agata bewundert werden. Er repräsentiert jedoch auch eine der größten verpassten Chancen in der Geschichte Lamborghinis.

In der Zwischenzeit gelangen Lamborghini große Fortschritte bei der Verjüngungskur der Straßenwagen. Um den 25. Geburtstag der Firma zu feiern, legte man eine entsprechende Jubiläumsedition des Countach auf. Es war der passende Abschluss für dieses glorreiche Auto. Unnötig zu erwähnen, dass es von der Kundschaft begeistert empfangen wurde. Nicht weniger als 657 Exemplare konnten abgesetzt werden. Der Nachfolger des Countach erschien 1990. Der 132 wurde "Diablo" getauft – er war benannt nach einem besonders wilden Kampfstier aus dem 19. Jahrhundert. Und der Name war Programm! Der Thronfolger des Countach durfte natürlich kein konventionelles Auto sein. Er musste extrem sein, spektakulär, kräftig und ungewöhnlich. Der von Luigi Marmiroli entworfene Diablo mit seinen 492 PS und dem 5,7-Liter-V12 war all das – und mehr. 1990 wurde zunächst der Diablo mit Heckantrieb vorgestellt, doch bereits zu diesem Zeitpunkt war eine Version mit Allradantrieb vorgesehen, der im Laufe der Zeit zum Markenzeichen der Top-Lamborghinis werden sollte. Die auf dem Genfer Autosalon 1993 vorgestellte Allradvariante trug den Namen "Diablo VT", wobei das Kürzel für "Viscous Traction" stand und auf die Visco-Kupplung zwischen Vorder- und Hinterachse hindeutete.