Die Geschichte von Lamborghini: 1998 - heute

1998-Heute

Die erste große Innovation unter der neuen Führung folgte 2001 mit dem Nachfolger des Diablo: Der Murciélago war, wenig überraschend, abermals nach einem berühmten, wilden Kampfstier benannt. Die Tatsache, dass das spanische Wort übersetzt "Fledermaus" bedeutet, trug dabei zur dunklen, beinahe magnetischen Anziehungskraft dieses fesselnden neuen Autos bei. Seine Leistung war auf 580 PS hochgeschraubt worden, was ihm zu einer beeindruckenden Fahrbarkeit, Höchstgeschwindigkeit und Beschleunigung verhalf. Der Murciélago stand für motorisierte Muskeln, Kraft, Ausdauer. Ebenfalls beeindruckend und oft gelobt war die hervorragende Qualität des Autos, dessen Verarbeitung sogar noch die exzellenten Ergebnisse der letzten Diablos übertraf. Das Modell verkaufte sich vom Start weg sehr gut. Lamborghini konnte bei jedem einzelnen Exemplar mit einem sicheren Verkauf kalkulieren, da diese Autos von ihren Kunden weit im Voraus reserviert wurde.

Der Murciélago war nicht dazu bestimmt, allein zu bleiben: Während der Wartezeit auf einen Gefährten in der Modellpalette beleuchtete man in Sant'Agata verschiedene Murciélago-Varianten. Die erste – und zweifellos spektakulärste – war ein Konzeptauto: die auf der Detroit Auto Show 2003 vorgestellte "Barchetta"-Version. Das war nicht einfach ein Murciélago ohne Dach, sondern im Grunde ein neues Auto mit verführerisch gestaltetem Heckdeckel samt passenden B-Säulen hinter den Sitzen. Dieses spannende Konzept war die Basis für die modifizierte Variante, die letztlich in Produktion ging.

2003 stellte Lamborghini eine weitere Neuheit vor, diesmal auf dem Genfer Autosalon: den Gallardo. Dieses erste Modell der Gallardo-Familie war mit einem 500 PS starken V10 mit 50 Ventilen sowie mit permanentem Allradantrieb ausgestattet und erreichte eine Höchstgeschwindigkeit von mehr als 300 km/h. Automobili Lamborghini entschied, auch dieses Modell nach einem berühmten Kampfstier zu benennen. Der Gallardo war und ist darauf ausgelegt, den Hochleistungs-Sportwagen neu zu definieren und gleichzeitig beste Fahrbarkeit in allen Situationen zu bieten. Er ist ein echter Sportwagen, aber dabei voll alltagstauglich. Diese beiden Ziele schienen zunächst einmal nicht vereinbar zu sein, doch die Ingenieure haben es tatsächlich geschafft: Im Gallardo trifft Komfort auf die kompromisslose Leistung, die man von einem echten Lamborghini erwartet. Dieser Maßgabe entsprechen daher auch Motor, Getriebe, Karosserie, Aufhängung, Bremsen und Elektronik. Das Ergebnis ist ein kompakter (4,3 m Länge) zweisitziger Hochleistungs-Sportwagen (Höchstgeschwindigkeit mehr als 300 km/h), der sowohl auf der Rennstrecke als auch auf langen Landstraßenetappen und im Stadtverkehr Fahrspaß pur garantiert.

Anlässlich des 40. Geburtstags bot das Haus des Wilden Stiers 2003 eine spezielle, limitierte Edition seines Supersportlers Murciélago an: den Murciélago 40th Anniversary Edition. Eine begrenzte Zahl von 50 nummerierten Fahrzeugen in der exklusiven Farbe Verde Artemis (Jadegrün) wurde produziert und vorwiegend in Europa, den USA und Japan verkauft.

2003 als Konzeptauto in Detroit präsentiert und gefeiert, debütierte die Serienversion des Murciélago Roadsters offiziell auf dem Genfer Autosalon 2004. Das Auto baute auf den extremen und exklusiven Features des Coupés auf; es war ein Highlight der Marke Lamborghini. Beim Design des Roadsters beschränkte sich der Designer Luc Donckerwolke nicht etwa darauf, lediglich dem Coupé das Dach abzunehmen. Er verlieh dem Auto ein eigenständiges, sensationelles Äußeres und machte den Murciélago Roadster so unverwechselbar. Die Serienvariante schaffte es daher auch, so viele und so starke Emotionen wie das ursprüngliche Konzeptauto zu erregen. Als Motor kam selbstverständlich ein V12 zum Einsatz. Er besaß einen Bankwinkel von 60° und einen Hubraum von 6.192 cm3. Die Leistung betrug 580 PS (426 kW) bei 7.500 U/min, das maximale Drehmoment 650 Nm bei 5.400 U/min. Das Triebwerk verfügte zudem über das elektronische Motorsteuerungssystem Lamborghini L.I.E. Serienmäßig war, wie im Coupé, ein 6-Gang-Schaltgetriebe verbaut, als Sonderzubehör wurde jedoch auch ein sequenzielles 6-Gang-Automatikgetriebe namens "e-Gear" angeboten. Für den Roadster gab es auch einen permanenten Allradantrieb mit zentraler Visco-Kupplung sowie Sperrdifferenzial an Vorder- und Hinterachse (25 % Sperrwirkung vorne, 45 % hinten).

Auf der Internationalen Automobilausstellung in Frankfurt zeigte Lamborghini 2003 erstmals eine Rennversion des gefeierten Supersportlers Murciélago. Der Murciélago R-GT wurde zusammen mit den Rennsportexperten von Reiter Engineering und der Sportabteilung von Mutterfirma Audi entwickelt. Der neue Murciélago R-GT war ein höchst wettbewerbsfähiges Auto, mit dem Kunden professionellen Rennsport betreiben sollten. Mit ihm konnten sie an nationalen und internationalen Rennserien wie etwa der Europäischen FIA-GT-Meisterschaft oder der American LeMans Series in den USA teilnehmen.

Im Juli 2005 wurde die Special Edition des Gallardo vorgestellt, welche entsprechend den Zusatz "SE" trug. Das Modell war auf 250 Exemplare limitiert und zeichnete sich durch eine Zweifarblackierung, einen noch sportlicheren Innenraum und technische Verbesserungen aus.

Das Haus der Wilden Stiere zeigte den ersten fahrbaren Prototypen des Lamborghini "Concept S" auf den US-Events Concorso Italiano in Monterey und Pebble Beach Concours d'Elegance im August 2005. Die "Concept S"-Designstudie hatte zuvor ihr Debüt auf dem Genfer Autosalon gefeiert – als extremes und spektakuläres Statement der Marke Lamborghini. Entworfen wurde sie im Designzentrum Centro Stile Lamborghini in Sant'Agata Bolognese, von Luc Donckerwolke, der sich dabei von den klassischen Formel-Rennwagen der Vergangenheit inspirieren ließ. Das erstaunliche Interesse auf dem Genfer Salon führte zum Bau eines fahrbaren Prototypen, um das Interesse potentieller Käufer besser einschätzen zu können.

Zwei Jahre nach dem Start der Coupé-Version des Gallardo präsentierte Automobili Lamborghini im September 2005 auf der IAA Frankfurt den neuen Lamborghini Gallardo Spyder. Dieser bis dahin jüngste Neuzugang erweiterte die Supersportwagenpalette der Marke auf vier Modelle. Der Gallardo Spyder war nicht bloß eine offene Version des Coupés, er war ein komplett neues Modell. Der Spyder besaß ein attraktives Design und einen einzigartigen Öffnungs- und Schließmechanismus für das Stoffverdeck, das unter der Motorabdeckung verschwand. Das Centro Stile Lamborghini und die Ingenieure aus der Forschungs- und Entwicklungsabteilung hatten eng zusammengearbeitet, um dieses neue Design zu entwickeln und die klaren, scharfen Linien auf die Straße zu bringen. Angetrieben wurde der Gallardo Spyder von dem 90°-V-Motor aus dem Gallardo des Modelljahrs 2006 und dem Gallardo SE. Der Zehnzylinder mit 4.961 cm3 Hubraum und 520 PS (382 kW) bei 8.000 U/min hatte eine Literleistung von mehr als 100 PS pro Liter und lag damit auf einem Niveau mit den Triebwerken reinrassiger Rennautos. Geschaltet wurde mittels eines neuen 6-Gang-Getriebes mit kürzerer Übersetzung. Im Vergleich zur Originalversion war der erste Gang um 27 % und der zweite um 13 % kürzer übersetzt. Den dritten, vierten und fünften Gang hatte man um 6 % kürzer abgestimmt, der sechste Gang war um 3,5 % kürzer. Optional war auch das elektronisch gesteuerte sequenzielle 6-Gang-Automatikgetriebe "e-Gear" erhältlich. Wie jeder andere Lamborghini folgte auch der Gallardo Spyder den stilistischen Prinzipien von klaren Linien, Sportlichkeit und Schärfe. Der Spyder war mehr als eine offene Variante des Coupés: Er setzte die mit dem Murciélago Coupé und Roadster begonnene Tradition eines eigenständigen Modells fort.

Im Januar 2006 holte Lamborghini einen legendären Namen aus der eigenen Historie zurück in die Welt des Automobilbaus: Der Miura Concept war der erste Lamborghini aus der Feder von Walter de' Silva, dem damaligen Designchef von Lamborghini und Audi. Automobili Lamborghini begann das neue Jahr im Januar 2006 mit der Enthüllung des Miura Concept – eine moderne Interpretation des Miura, der seinen 40. Geburtstag feierte. De' Silva blieb dabei dem Original treu, glättete aber die Konturen und strich überflüssige Details. Es ging ihm darum, die klaren, einfachen Linien und ausbalancierten Proportionen des Originals herauszuarbeiten, das bei den Enthusiasten noch immer eine so große Leidenschaft weckt.

Das Jahr 2010 markierte die Premiere des Sesto Elemento: Dieses Konzeptauto wurde auf dem Pariser Autosalon vorgestellt und sollte die herausragende Kompetenz von Automobili Lamborghini im Bereich der Verbundwerkstoffe verdeutlichen. Die Karosserie bestand überwiegend aus Kohlenstofffaser (auch bekannt als Kohlefaser), was bereits der Name verdeutlichte: Übersetzt bedeutet Sesto Elemento "sechstes Element", und dieses ist im Periodensystem eben Kohlenstoff. Der Sesto Elemento sollte im Rennsport zum Einsatz kommen und wurde nur 20 Mal gebaut.

Gleich drei Sondermodelle wurden 2011 aufgelegt: Der Gallardo Bicolore, der Gallardo Tricolore (als Gedenken an die Vereinigung Italiens 150 Jahre zuvor) sowie der Super Trofeo Stradale, welcher vom Markenpokal Lamborghini Blancpain Super Trofeo inspiriert ist. Außerdem kam der Gallardo LP 550-2 als Coupé und Spyder mit Heckantrieb auf den Markt. Im Jahr 2011 debütierte auch das neue V12-Modell: Der Aventador LP 700-4 löste den Murciélago ab und avancierte mit seinem einzigartigen Design und dem innovativen Technologiepaket zum neuen Maßstab in der Welt der Supersportler.

Mit dem legendären LM 002 hatte Lamborghini bereits 1986 ein luxuriöses SUV aufgelegt, im April 2012 stellte man die neue Interpretation eines großen Hochleistungs-Geländewagens vor: Auf der Peking Motorshow war ein Konzeptauto namens Urus zu sehen, das durch seine kraftvolle aber dennoch elegante Statur bestach. Im November 2012 wurde zudem die offene Roadster-Version des Aventador angekündigt, die ihrerseits die Herzen der Lamborghini-Fans höher schlagen lässt und abermals bestätigt, welch faszinierende Fahrzeuge seit 1963 in Sant'Agata entstehen.