Lamborghinis Geschichte: 1981-1987

1981-1987

Glücklicherweise hatten die faszinierenden Autos den Namen Lamborghini zur Legende gemacht. Zusammen mit der einzigartigen Aura des Countach sorgte das für ein enormes Interesse an dem Unternehmen: Als die Liquidation eingeleitet wurde, standen die Interessenten Schlange, um die Firma zu übernehmen. Der zuständige Richter vertraute sie den beiden wohlhabenden Brüdern Jean-Claude und Patrick Mimran an, die ein Zuckerimperium im Senegal besaßen und Sportwagen liebten. Die beiden Brüder gingen zusammen mit dem Generalbevollmächtigten in Sant'Agata, Emil Novaro, sofort die Umstrukturierung des Unternehmens an. Die Firma "Nuova Automobili Ferruccio Lamborghini SpA" wurde im Januar 1981 gegründet – von diesem Moment an konnte endlich wieder vernünftig gearbeitet werden. Eine der ersten Entscheidungen, und aus technischer Sicht ein Geniestreich, war die Anstellung des Ingenieurs Giulio Alfieri als Technischer Direktor des Hauses. Mit diesem gefeierten Designer an der Spitze des Unternehmens und weiteren loyalen Angestellten reiste Lamborghini im März 1981 zum Genfer Autosalon. Ausgestellt wurden dort ein von einer Schweizer Firma umgestylter Miura, welcher für gemischte Reaktionen sorgte, sowie der Countach S mit seinem imposanten Heckflügel. Ebenfalls auf der Bühne stand der erste Versuch einer Neuinterpretation des kräftigen Cheetah, der massiv modifiziert worden war, um einen Rechtsstreit mit der Firma FMC zu vermeiden, und der nun das Kürzel LM trug. Das greifbarste und am positivsten stimmende Zeichen für den neuen Kurs von Lamborghini war jedoch der erste Auftritt des Jalpa.

Die Kapitalspritze der Mimran-Familie machte die Wiederaufnahme einer vernünftigen Entwicklungsarbeit am Countach möglich. Dieser hatte sich, von breiteren Kotflügeln und Reifen bei der S-Version abgesehen, im Grunde seit 1973 nicht mehr verändert. Alfieri vergrößerte den Hubraum des klassischen V12 auf 4,7 Liter und holte 375 PS aus der Maschine. Er gewann damit die hervorragenden Fahrleistungen zurück, die zum Teil unter den breiteren Reifen und aerodynamischen Maßnahmen gelitten hatten. So entstand 1982 der Countach 5000, der sich optisch nicht von der S-Version mit 4-Liter-Motor unterschied. Die Mimran-Brüder bestanden darauf, auch abseits der Straße den bereits eingeschlagenen Kurs weiterzuverfolgen und den großen, für die damalige Zeit sehr innovativen Hochleistungs-Geländewagen zu produzieren. Ebenfalls 1982 verpflanzte man daher den Motor von hinten nach vorne. Der Prototyp trug das Kürzel LMA, das je nach Auslegung für "Lamborghini Motore Anteriore" oder "Lamborghini Militare Anteriore" steht. Trotz der hohen Kosten wurde die Entwicklung am Geländewagen fortgesetzt. Am Ende dieser Evolution sollte der LM 004 stehen. Dieser Prototyp besaß einen vorne verbauten, kolossalen 7-Liter-V12 und durchbrach erstmals die 200 km/h-Schallmauer. Pirelli arbeitete mit Lamborghini zusammen, um einen neuen Hochleistungsreifen zu entwickeln, der auf jedem Terrain genutzt werden konnte – von Asphalt über Schotter und Schlamm bis zu den Sanddünen der großen afrikanischen Wüsten. So entstand der Pirelli Scorpion.

Zur gleichen Zeit wurde eifrig an einem tiefgreifenden technischen Update für die Autos gearbeitet. 1985 präsentierte Lamborghini auf dem Genfer Autosalon die neue Version des Countach, den Quattrovalvole. Alfieri änderte den klassischen Lamborghini-Motor, der fast 22 Jahre zuvor sein Debüt gefeiert hatte, umfangreich ab: Er vergrößerte den Hubraum, um mehr Leistung zu erhalten, und nutzte Zylinderköpfe mit vier Ventilen pro Zylinder. Der 5.167 m3 große Motor produzierte 455 PS bei 7.000 U/min. Mit dieser Leistung überholte der Countach locker alle seine traditionellen Rivalen. Ebenfalls erfreulich: Nach Jahren voller Probleme, Evolutionen, Redesigns und Modifikationen ging Lamborghinis großer Geländewagen 1986 endlich in Produktion. Der LM 002 besaß einen Motor, der im Grunde der gleiche wie im Countach war. Die Idee vom riesigen 7-Liter-Aggregat des Protoypen LM 004 hatte man also verworfen.

Durch die von den Mimran-Brüdern und Emil Novaro vorangetriebene Umstrukturierung stand Lamborghini zu dieser Zeit wieder auf stabilen Beinen. Das Jahr 1987 brachte weitere positive Meldungen mit sich, denn der Countach und der Jalpa verkauften sich gut. Zudem liefen viele Bestellungen für den LM ein, die Weiterentwicklung an der gesamten Modellpalette wurde vorangetrieben und die frühen Prototypen des Tipo 132, der Nachfolger des Countach werden sollte, drehten ihre ersten Runden. 1987 begann man auch mit der Arbeit an einer Variante des Jalpa, die ein Stoffverdeck tragen sollte: Der Jalpa Spyder ist auch unter dem Namen "Speedster" bekannt. Es wurde zwar ein Protoyp gebaut, aber das Auto ging wegen technischer Schwierigkeiten nie in die Serienfertigung.